Vielsprachig für eine gute Sache
Der Weltkongreß des Clubs 51 international tagte mit 350 Gesandten aus acht Nationen im Völklinger Gebläsehaus

  • Von unserer Mitarbeiterin - ANJA HARGARTER -
P arlez-vous francais?" , hören wir energisch eine Dame rufen, noch ehe wir die Eisentreppe im Völklinger Gebläsehaus nach oben gegangen sind. Oben angekommen, sieht man Knäuel dicht gedrängter Menschen. Sie stehen um Bistro-Tische herum, halten Kaffee-Tassen hoch und knabbern Erdnüsse. Und debattieren. Übrigens, an diesem Tisch in italienisch. Nebenan flüstern zwei belgische Damen in französisch. Eine Momentaufnahme am Samstag vom Weltkongreß des "Club 51 international" . Zum ersten Mal findet dieser in Deutschland statt. Unter den sogenannten Service-Clubs - zum Beispiel Rotarier oder Lions - ist der Club 51 vielleicht nicht der bekannteste. Trotzdem, in Europa zählt er insgesamt 16000 Mitglieder. Am Freitag und Samstag sind 350 Gesandte im Saarland, von Finnland bis Ruanda, um einerseits von ihren Erfahrungen und guten Taten zu berichten und andererseits, um ihr "Welt-Oberhaupt" neu zu wählen, den Generalgouverneur. Das wird der Belgier Urbain Vanden Bossche. Toleranz, gegenseitige Achtung und Völkerverständigung sind die Ziele der Vereinigung, erklärt der Vize-Gouverneur des ausrichtenden Saarbrücker Clubs, Claus Schumacher. Warum ist Völklingen Austragungsort? Dazu Alois Schmitt, Präsident des Saarbrücker Clubs: "Wir wollten damit den Besuchern die Gebläsehalle als außergewöhnlichen Kongreßstandort nahebringen" , also Werbung für Völklingen machen. Die Meinungen der internationalen Gäste seien geteilt. Den meisten aber gefalle die Atmosphäre des Industriedenkmales, so Schmitt. In der Gebläsehalle wird in Arbeitsgruppen über Themen wie Dienst an der Gemeinschaft, die Expansion und Rechtsfragen debattiert. Und das in deutscher, französischer, flämischer und italienischer Sprache. Eine Dolmetscher-Anlage macht es möglich. "Den flämischen Dolmetscher mußten wir aus Brüssel einfliegen lassen" , schildert Ulrich Fischer vom Saarbrücker "Club 51" . Überall laufen deshalb am Samstag nachmittag Leute mit eigenartigen Geräten am Ohr herum. Kabel hängen dicht über den Hemdenkragen, und kleine schwarze Kästen blitzen unter den Sakkos hervor. 300 Dolmetscher-Geräte sind im Einsatz. "Sie müssen den Kanal 7 einstellen. Dann hören sie alles" , erklärt Ulrich Fischer einem Besucher das Dolmetschergerät. Neben Fischer lehnt sich Immo Sopp vom Club 51 aus Bielefeld zigarrerauchend an einen Pfeiler. "Unser Club, der Bielefelder, hat bis jetzt Medikamente im Wert von rund zwölf Millionen Mark besorgt. Wir haben mit Apothekern und Ärzten geredet und organisiert, was wir nur konnten. Teilweise mit Bundeswehr-Flugzeugen verschickten wir die Medikamente in Krisengebiete. Polen, Estland und der Sudan standen auf unserer Liste" , schildert der Bielefelder die guten Taten seines Clubs. Michele Chenut aus Belgien ist im sogenannten Generalrat des "Clubs 51" zuständig für die Entwicklung in Afrika. "An der Elfenbeinküste, in Abidjan, haben wir begonnen, ein Wüstengebiet bewohnbar zu machen. Dazu wurden auf rund 100 Hektar Wüstenboden Akazienbäume gepflanzt. Außerdem wurde vorige Woche ein Container mit Ausrüstungs-Gegenständen für zwei Schulen und zwei Geburtskliniken nach Abidjan geschickt. Der dortige Club 51 ist gerade mit der Verteilung am Werk und trägt auch die Verantwortung dafür" , verrät der Belgier. Aber auch die deutsch-französische Völkerverständigung funktioniert bei den 51ern. Henri Closset aus Forbach, Mitglied des dortigen Club 51, berichtet, man habe Euromünzen prägen lassen und sie unter Saarbrücker und Forbacher Mitgliedern verkauft. "Sechs Franc oder drei Mark waren für eine Münze zu zahlen" , erzählt er. Mit dem Erlös wurde dann eine Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, die Saint Chapelle, restauriert. Übrigens, der Club 51 ist nur was für Männer! Frauen haben ihren eigenen Service-Club. Den Fifty-One-Ladys. Auf die Frage, warum denn die strenge Teilung der Geschlechter notwendig sei, erklärt Vize-Gouverneur Claus Schumacher vom Saarbrücker Club schmunzelnd: "Ganz einfach. Wir sind ein Herrenclub. Bei uns gibt es deshalb auch fast keinen Streit. Und wenn einmal, dann erledigen wir das über den kleinen Dienstweg!" Abschluß des internationalen Treffens ist der Ball des Gouverneurs am Samstag abend in der Gebläsehalle mit leckerem Büffet und Tanzmusik. Ein Höhepunkt ist die farbige Beleuchtung der Schwungräder und Gebläsemaschinen. Zum Schluß erhalten die Teilnehmer ein geschliffenes und lackiertes Stück saarländischer Kohle als Erinnerungsgeschenk.